Päpfeffer zitiert tolkien – eine überraschende wendung im vatikan
Ein Schlag ins Gesicht für Traditionalisten und eine Kuriosität für Fantasy-Fans: Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika „Magnifica Humanitas“ eine Zitat aus J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ eingebaut. Die überraschende Referenz auf Gandalf den Weißen aus „Der Rückkehr des Königs“ wirft nun Fragen nach der Theologie des Pontifex und seiner Vorlieben auf.

Ein ungewöhnlicher gast aus mittelerde
Die Enzyklika, die sich mit der Bewahrung der Menschheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt, enthält eine Passage, die direkt auf eine Szene im Kampf um Minas Tirith verweist. Dort spricht Gandalf den Weißen mit Aragorn, Imrahil und Éomer über die Verantwortung der Sterblichen. Der berühmte Ausspruch: „Wir müssen nicht alle Meere des Welten beherrschen, sondern das tun, was in unserer Hand liegt, um den Tag zu erlösen, der uns beschieden ist, das Böse in den Feldern zu beseitigen, die wir kennen, und den Nachkommen eine saubere Erde zum Brüten zu hinterlassen.“
Einem Expertenkreis, der sich mit religiöser Literatur auskennt, ist diese Wahl des Papstes höchst ungewöhnlich. Tea with Tolkien, ein bekannter Tolkien-Analyst, kommentiert: „Es ist eine bemerkenswerte Geste, die die Verbindung zwischen spiritueller Führung und der Weisheit einer fiktiven Welt aufzeigt. Es ist, als ob der Papst sich selbst als einen der Istari – die mächtigen Zauberer von Mittelerde – sehen würde.“
Die Veröffentlichung von „Magnifica Humanitas“ selbst ist bereits ein Ereignis. Die Enzyklika ist eine Reaktion auf die rasante Entwicklung der KI und betont die Notwendigkeit, die Menschlichkeit im Angesicht technologischer Fortschritte zu bewahren. Doch gerade diese Thematik wird durch den Tolkien-Zitat in einen neuen, unerwarteten Kontext gestellt.
Der Film„Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (2003) läuft derzeit wieder in den Kinos und erinnert an die epische Geschichte. Eine Kino-Premiere bietet somit die Gelegenheit, den Papst als einen modernen Istar zu erleben. Der Film spielte weltweit über 1,1 Milliarden US-Dollar ein und ist ein Klassiker der Fantasy-Literatur.
Es ist eine ironische, ja fast schon absurde, Situation: Der oberste Hüter der katholischen Kirche zitiert einen Fantasy-Autor, der vor über einem Jahrhundert eine Welt erschaffen hat, die nun in den Herzen von Millionen Menschen weiterlebt. Die Kirche, die traditionell auf die Schrift und die Lehre verweist, greift nun auf die Poesie eines Buches zurück, um eine Botschaft über die Zukunft der Menschheit zu vermitteln. Ein Schritt über die Konventionen hinaus, der die Welt noch einmal auf den Kopf stellt – und ganz nebenbei das Interesse an Tolkien neu entfacht.
