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Soulslike: mehr als nur eine kopie – kulturelle wurzeln und neue perspektiven

Von Barbara Müller, Videospiel-Enthusiastin und Interviewerin bei AnimeSpieler

Die spanische perspektive: kopieren und stolz

Es ist ein Phänomen, das viele Kulturen teilen – doch in Spanien scheint es besonders ausgeprägt zu sein: die Abneigung gegen „Kopieren“. Doch was, wenn wir uns selbst hinterfragen? Die spanische Kultur inspiriert Spiele wie Crisol oder Blasphemous, doch gleichzeitig neigen wir dazu, andere Kulturen zu pauschal zu verurteilen.

Die Frage ist: Wer kopiert eigentlich wen? Und warum projizieren wir unsere Vorurteile auf andere, während wir unsere eigene Kultur als einzigartig feiern?

Die illusion der japanischen einzigartigkeit

Die illusion der japanischen einzigartigkeit

Wenn wir von Soulslike-Spielen sprechen, denken viele sofort an Hidetaka Miyazaki und die Dark Souls-Reihe. Doch die ästhetischen und narrativen Elemente dieser Spiele haben tiefere Wurzeln. Die triste Poesie von Majula, die zyklische Struktur von Lordran oder das Yin-Yang-Prinzip – all das ist nicht rein japanisch.

Tatsächlich entstammen diese Motive aus indischen, chinesischen und koreanischen Traditionen. Die Buddhistische und Taoistische Philosophie durchdringt diese Spiele – oft unbewusst – und verleiht ihnen ihre melancholische Tiefe.

Soulslike aus ostasien: eigenständigkeit statt kopie

Während wir in Europa oft von „Kopien“ sprechen, zeigen ostasiatische Spiele wie Black Myth: Wukong, Lies of P oder Wuchang: Fallen Feathers, dass sie die Soulslike-Struktur zu etwas Eigenem weiterentwickeln. Diese Titel beweisen: Es geht nicht um Kopieren, sondern um kulturelle Übersetzung.

SpielKulturelle InspirationBesonderheit
Black Myth: WukongChinesische Mythologie (z. B. Reise nach Westen)Fokus auf Pietät und moralische Dilemmata
Lies of PTaoismus & KonfuzianismusTiefgründige Familienkonflikte und Alchemie
Wuchang: Fallen FeathersHistorische Region Shu (China)Archäologische Fiktion und mystische Atmosphäre

Warum wir unseren blickwinkel ändern müssen

Es ist leicht, ostasiatische Spiele als „Kopien“ abzutun – doch diese Perspektive verpasst ihre eigene Stimme. Spiele wie Lies of P stellen Fragen, die uns Europäer zum Nachdenken bringen: Was bedeutet „Pietät“? Wie prägt Konfuzianismus unsere Gesellschaft?

Vergleiche mit Miyazaki sind nützlich, doch sie blenden aus, dass Soulslike heute ein globaler Diskurs über Leid, Verlust und Erlösung sind.

Die macht der narrative: was uns soulslike wirklich sagen

Alle Soulslike-Spiele teilen eine zentrale Botschaft: „Der Tod ist unvermeidbar – doch er ist nur ein neuer Anfang.“ Doch während Dark Souls diese Idee durch Gwyns Schicksal erzählt, tun es ostasiatische Titel durch Familienkonflikte oder moralische Lasten.

  • Black Myth: Wukong fragt: Willst du ewig als Mythos leben – oder stirbst du als Mensch?
  • Lies of P zeigt: Opfer für die Familie können zur Befreiung führen – oder zur Verdammnis.
  • Wuchang verbindet Geschichte mit Mythos: Was bleibt von einer verlorenen Zivilisation?

Fazit: soulslike als spiegel unserer gesellschaft

Die Debatte um „Kopie“ oder „Original“ ist überholt. Soulslike sind heute ein globaler Dialog über Kultur, Moral und menschliche Schwäche. Statt Vorwürfe zu machen, sollten wir diese Spiele als Brücken begreifen – zwischen Ost und West, zwischen Tradition und Innovation.

Vielleicht ist es an der Zeit, unseren eigenen Blickwinkel zu hinterfragen: Was können wir von diesen Spielen lernen – und was können sie von uns?

Barbara Müller ist seit über 19 Jahren in der Videospiel-Branche aktiv. Als Interviewerin und Autorin bei AnimeSpieler verbindet sie technisches Know-how mit narrativer Tiefe – und zeigt, wie Spiele unsere Kultur prägen (und umgekehrt).