Ki-krise: der versteckte preis der effizienz

Die Euphorie um Künstliche Intelligenz verflüchtigt. David Sierra von Cruce de Cables warnt: Wir messen den Wert dieser Technologie schlichtweg falsch. Und das hat weitreichende Konsequenzen.

Die unsichtbare arbeitsverschrottung

Xataka hat es schon vor Wochen auf den Punkt gebracht: KI erzeugt einen unermesslichen wirtschaftlichen Wert – aber wir können ihn nicht erfassen. Es geht um zwei Faktoren, die wir bisher ignoriert haben: Die Substitution menschlicher Arbeit durch Algorithmen und die Möglichkeit, Aufgaben zu realisieren, die früher schlichtweg zu teuer waren.

Doch was ist mit den Jobs, die dadurch verschwinden? Mustafa Suleyman, der Kopf der KI bei Microsoft, hat sich inzwischen von ursprünglichen Aussagen zurückgerückt, dass KI viele Arbeitsplätze vernichten würde. Er spricht nun von der Automatisierung von Routineaufgaben. Das ist ein Witz. Die Realität ist, dass wir eine massive Verschiebung der Arbeitswelt erleben, und das ohne wirkliche Strategie zur Umschulung oder sozialen Absicherung.

Perplexity als testfall

Perplexity als testfall

Ich selbst habe die Technologie vor Kurzem eingehend getestet. Perplexity, ein KI-gestütztes Recherchetool, hat mir einen Text mit einem Fehler in der Kommasetzung aufgedeckt – obwohl der Text selbst nur eine Komma enthielt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern zeigt auch, dass KI-Systeme nicht unfehlbar sind und menschliche Kontrolle erforderlich ist. Und diese Kontrolle hat ihren Preis.

Die Kosten der Überwachung sind oft unterschätzt. Die Qualitätssicherung von KI-generierten Ergebnissen erfordert menschliche Expertise – und diese Expertise ist nicht kostenlos.

Paloma Llanesza hat es vor wenigen Wochen treffend formuliert: „Die KI-Bar ist vorübergehend geschlossen: Wer den Token preist, entscheidet darüber.“ Und das ist der Kern des Problems: Unternehmen wie Microsoft und Google nutzen KI, um ihre Profite zu maximieren, während die Nutzer mit steigenden Preisen und Abhängigkeit konfrontiert werden. Es ist ein Preis, der weit über die reine Funktionalität hinausgeht.

Die Beispiele für selbsterfasste Zugriffe auf Dienste, wie die Sperrung von Mythos-Nutzern, sind alarmierend. Wir sprechen hier nicht von einem technischen Fehler, sondern von einer Kontrolle, die in den Händen von wenigen liegt.

Ein werkzeug – mit risiken

KI ist zweifellos ein mächtiges Werkzeug. Aber wie bei jedem Werkzeug besteht die Gefahr, dass es missbraucht wird. Es ist wichtig, die Technologie kritisch zu hinterfragen und nicht blindlings ihren vermeintlichen Nutzen zu akzeptieren. Die vermeintlichen Vorteile, die wir bisher nicht sehen konnten, werden die steigenden Kosten der Unternehmen nicht aufwiegen. Es ist an der Zeit, die Risiken zu erkennen und unsere Haltung zu ändern – bevor es zu spät ist.