Open-world-frustration: warum spiele uns ständig 'helfen'

Ein kleines Experiment: Nehmen Sie sich fünf Open-World-Spiele, die Sie in letzter Zeit gespielt haben. Wie viele davon enthielten eine Karte oder fliegende Marker? Wahrscheinlich mehr als die Hälfte. Diese kleine Hilfestellung ist in der aktuellen Gaming-Landschaft zur Gewohnheit geworden – ein direkter Hinweis des Entwicklers, uns durch den vorgegebenen Pfad zu lotsen. Das ist oft nützlich, aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass man sich der Spielerfahrung entziehen kann, wie es beispielsweise in The Witness oder The Getaway geschieht, wo diese Unterstützung bewusst weggelassen wird.

Die subtile kunst der navigation

Diese Entscheidung ist wichtig. Es geht nicht darum, ob Marker grundsätzlich notwendig sind, sondern vielmehr darum, wie wir uns in diesen Welten orientieren. In schnellen Action-Titeln sind sie üblich, um den Rhythmus zu halten und Ablenkungen zu vermeiden. In entspannteren Rollenspielen dienen sie oft als Anreiz – denken Sie an Skyrim, das den Spieler mit versteckten Details belohnt. Aber letztendlich sind diese flüchtigen Markierungen und HUD-Hilfen kaum ein Hindernis für ein gutes Spielerlebnis. Sie sind jedoch weitaus weniger unverzichtbar, als wir oft annehmen.

Über den

Über den 'spielplatz' hinaus: ein neuer ansatz

Wenn wir uns von der Idee einer Spielwelt als containerähnlichem Raum lösen und die Navigation und Orientierung als eigene Mechanik betrachten, müssen wir subtilere Methoden finden, den Spieler zu führen. Anstatt uns mit der standardmäßigen HUD-Anleitung abzufinden, können wir uns an die Strategien der Entwickler orientieren, die uns den Weg weisen, ohne es zu sagen. Das Konzept der 'Indikatoren' ist hierbei zentral: Licht, Raum, Farbe – all diese Elemente können uns subtil lenken. Die 'Weenies' von Disneyland, die von Scott Rogers in einer GDC-Präsentation thematisiert wurden, sind ein gutes Beispiel für diese Strategie.

Die psychologie der orientierung

Die psychologie der orientierung

Unser Gehirn neigt dazu, sich auf den Fokuspunkt einer Szene zu konzentrieren. Aber unsere Peripherie nimmt deutlich mehr Informationen wahr. Diese Informationen können uns von unserem eigentlichen Ziel ablenken. Mirror's Edge nutzt beispielsweise falsche Richtungen, um uns durch die Verwendung von roten Markierungen und der Raumgestaltung auf den richtigen Weg zu lenken. Die Farben, die Licht, die Anordnung der Objekte – all das beeinflusst unsere Entscheidungen. Wir müssen bereit sein, diese subtilen Hinweise zu erkennen und zu nutzen, um unsere Erkundung zu bereichern und unsere Immersion in die Spielwelt zu erhöhen.

Ein ungesagtes pakt

Ein gutes Beispiel hierfür ist Sea of Thieves, wo die Spieler durch die Zusammenarbeit und die Nutzung von In-Game-Werkzeugen navigieren, um Schätze zu finden und zu tauschen. Hier fehlt jede Art von direkter Führung. Die Spieler müssen sich auf ihr eigenes Urteilsvermögen verlassen und die subtilen Hinweise des Spiels interpretieren. Es ist ein Pakt, den wir mit dem Spiel eingehen – eine stille Vereinbarung, uns auf seine subtilen Signale zu verlassen. Diese Strategie ist besonders in Spielen wie Uncharted oder The Last of Us zu sehen, wo die Spielumgebung und die Kameraführung uns unbewusst in die richtige Richtung lenken. Die fehlende Orientierungshilfe ist in diesen Titeln kaum spürbar, obwohl sie ohne diese Unterstützung kaum spielbar wären.

Fazit: mehr als nur ein hilfsmittel

Die Orientierungshilfen im Videospiel sind oft unnötig, aber sie können auch eine wertvolle Ergänzung sein. Sie können uns helfen, uns in großen, offenen Welten zurechtzufinden und die Geschichte des Spiels zu erleben. Die Entwickler wissen das und nutzen diese subtilen Signale, um uns den Weg zu weisen. Und das ist gut so – solange wir bereit sind, diese subtilen Hinweise zu erkennen und zu nutzen.