Alzheimer: die entzündung beginnt nicht im gehirn – eine bahnbrechende entdeckung

Eine revolutionäre Studie könnte unser Verständnis der Alzheimer-Krankheit grundlegend verändern. Lange Zeit glaubte man, die Krankheit beschränke sich auf das Gehirn. Doch neue Forschungen deuten darauf hin, dass die Ursachen viel weiter entfernt liegen – in anderen Organen.

Entzündung als neuer auslöser?

Forscher der Novo Nordisk Foundation in Dänemark haben genetische Daten von über 85.000 Menschen mit Alzheimer und 485.000 gesunden Personen analysiert. Dabei zeigte sich, dass Gene, die das Alzheimer-Risiko erhöhen, in anderen Körperteilen – insbesondere Haut, Lungen, Verdauungssystem und bestimmten Immunzellen – deutlich häufiger aktiviert sind als im Gehirn.

Diese Entdeckung legt nahe, dass die Alzheimer-Krankheit möglicherweise nicht mit dem Abbau von Proteinen im Gehirn beginnt, sondern mit einer chronischen Entzündung im Körper. Die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen schützt, wird altersbedingt durchlässiger. Dadurch gelangen Entzündungsstoffe – sogenannte Zytokine – ins Gehirn.

Besonders auffällig: Die Aktivität dieser Risikogene ist zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr am höchsten. Das deutet darauf hin, dass die Entzündung in diesem Alter die wahrscheinlichste Ursache für die spätere Entwicklung der Krankheit sein könnte.

Studien in Kalifornien und Australien zeigen, dass Impfungen gegen Gürtelrose und Blasenkrebs das Risiko, mit 65 Jahren oder älter Alzheimer zu entwickeln, um bis zu 50 bzw. 20 Prozent senken. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Immunaktivierung im Alter. Neben Impfungen können eine mediterrane Ernährung, moderater Alkoholkonsum, Bewegung, Verzicht auf Rauchen und die Kontrolle von Blutdruck und Cholesterin helfen, Entzündungen zu reduzieren.

Die bisherige Therapie konzentriert sich auf die Beseitigung von Amyloid-Beta- und Tau-Proteinablagerungen im Gehirn. Doch diese Maßnahmen scheinen nur Symptome zu lindern, nicht die eigentliche Ursache zu bekämpfen. Die Forschung verschiebt den Fokus nun auf präventive Maßnahmen, die auf die Entzündung außerhalb des Gehirns abzielen.

Die Erkenntnisse sind weitreichend: Wir müssen unsere Strategien überdenken. Die Altersgrenze von 55 bis 60 Jahren wird zum neuen Fokus für Präventionsmaßnahmen. Denn es ist dieser Zeitraum, in dem die Anfälligkeit für Alzheimer durch Entzündungen in anderen Organen am größten ist. Die gute Nachricht: Es gibt Wege, diese Entwicklung zu beeinflussen – und das beginnt mit der Frage, wie wir mit unserem Körper im Alter umgehen.